Die drei Trennungen als Wurzel der globalen Krisen

Für mich ist seit langer Zeit eine persönliche Forschungsfrage: Warum bekommen wir die Klimakrise nicht in den Griff, obwohl wir schon seit Jahrzehnten über die Gefahren der Erderhitzung wissen? Über die Jahre wurde mir klar, dass in der Klimapolitik oft nur Symptombekämpfung gemacht wird und die tiefere Ursache noch zu wenig angegangen wird. Otto Scharmer, der Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ist, bringt es in seinen Vorträgen auf den Punkt, was die tiefere Ursache für die Klimakrise und andere globale Krisen wie das Artensterben, die Umweltverschmutzung, Ressourcenübernutzung und der wachsende Unterschied zwischen Arm und Reich ist: Drei Trennungen.

Die erste Trennung ist, dass der Mensch von sich selbst getrennt ist. Er nennt zur Veranschaulichung eine Zahl: 800.000. So viele Menschen begehen leider weltweit pro Jahr Suizid.

Die zweite Trennung ist, dass wir Menschen voneinander getrennt sind. Auch hier nennt er wieder zur Veranschaulichung eine Zahl: 26. Die 26 reichsten Menschen dieses Planeten besitzen genauso viel wie die ärmere Hälfte der Menschheit (4 Mrd. Menschen). Das sind die Zahlen von 2019. Im 2025 besitzen sogar die 12 reichsten Menschen der Erde so viel die ärmere Hälfte der Menschheit. Das Problem hat sich also in den letzten Jahren massiv verstärkt.

Die dritte Trennung ist, dass wir Menschen von der Natur getrennt sind. Auch hier nennt er zur Veranschaulichung wieder eine Zahl: 1,75. Aktuell verbrauchen wir global so viele Ressourcen, als ob wir 1,75 Erden hätten. Wir bräuchten also 1,75 Erden, um unsere Ressourcen nachhaltig zu decken. In unseren westlichen Ländern bräuchten wir sogar 3-4 Erden.

Wenn wir also die Wurzel der Klimakrise anpacken wollen, müssen wir diese Trennungen angehen. Dazu gibt es viele Ansätze, die gerne unter dem Begriff „Innerer Wandel“ zusammengefasst werden und auch unter dem Begriff „Inner Development Goals“ in den letzten Jahren bekannt geworden sind. Es gibt aber auch schon viele Menschen, Organisationen und Unternehmen, die diese drei Trennungen überwinden wollen, indem sie Werte der Verbundenheit und Kooperation leben. Schöne Beispiele dafür sind für mich die Internetsuchmaschine Ecosia, die Gemeinwohlökonomie und Unternehmen wie Gugler, die in Kreislaufwirtschaft arbeiten, oder die GLS Bank, die Kredite nur an sozial-ökologisch nachhaltige Unternehmen und Projekte vergibt. Dieser Wertewandel drückt sich aber auch in einer grundsätzlich anderen Beziehung zur Natur aus.

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