
Über 80% der Treibhausgasemissionen (THGE) von Deutschland sind energiebedingte CO2 Emissionen, d.h. sie entstehen durch die energetische Nutzung von fossilen Energieträger wie z.B. durch das Benzin, das unsere Autos antreibt, das Erdgas, dass unsere Heizungen warm macht oder die Kohle, die für die Stromerzeugung in Kraftwerken verbrannt wird. 7,5% der THGE stammen aus Industrieprozessen, wie z.B. der Zementherstellung, Stahlherstellung oder Chemieindustrie, und die restlichen 12,1% sind Nicht-CO2-Emissionen wie Methan, Lachgas oder Fluor-Gase, wobei davon 2/3 aus der Landwirtschaft stammen. Also wenn wir das Problem vereinfachen wollen, können wir uns erst mal auf den größten Teil der THGE konzentrieren, also auf die energiebedingten CO2 Emissionen.
Im Jahr 2019 haben wir unseren Primärenergiebedarf zu 85% aus fossilen Brennstoffen gedeckt und nur 15% haben wir aus erneuerbaren Energien gedeckt. Wir importieren 74% unserer Gesamtenergie, also fast alle fossilen Brennstoffe außer Braunkohle. Das macht uns sehr abhängig von Energieimporten, wie wir durch den Ukraine-Krieg und den Iran-Krieg spüren, und höhere Energiepreise waren der stärkste Treiber der Inflation in den letzten Jahren. Und auch wenn der Ausbau der Erneuerbaren Energie stetig vorangeht, kamen im Jahr 2024 immer noch 71,4% unserer Primärenergie aus fossilen Brennstoffen.
Ich möchte dich zu einem Gedankenexperiment einladen:
Angenommen du brauchst täglich 2 Liter Getränke, um deinen Energiebedarf zu decken. Du hast die Wahl zwischen 2 Liter Cola, die du täglich für 1 EUR kaufst, oder du kaufst dir eine Getränkemaschine für 100 EUR und dann kostet dich die Herstellung von 2 Litern eines gesünderen Getränks nur 50 Cent. Wie würdest du dich entscheiden?
Ich vermute für die Getränkemaschine, oder? Denn der Kauf von 2 Liter Cola ist zwar kurzfristig günstiger, aber schafft eine Abhängigkeit vom Verkäufer und Cola ist ungesund. Der Kauf einer Getränkemaschine ist langfristig günstiger, du bist weniger abhängig und kannst dir selbst ein gesünderes Getränk herstellen.
Genauso ist es mit einem klimaneutralen Energiesystem:
In einem klimaneutralen Deutschland importieren wir 84% weniger Energie, da wir unsere Energie überwiegend selbst aus Windkraft, Photovoltaik (PV) und Biomasse decken, und nur einen kleinen Anteil an strombasierten, klimaneutralen Energieträgern (grüner H2, Power-to-Liquid, Power-to-Gas) importieren müssen. Zusätzlich sparen wir durch den Umbau unseres Energiesystems vor allem durch die Elektrifizierung einiges an Energie, da z.B. E-Autos und Wärmepumpen deutlich effizienter arbeiten als Verbrennerautos und fossile Heizungen. Insgesamt sagen die Studien voraus, dass in den nächsten Jahrzehnten größere Investitionen in den Ausbau von Netzinfrastruktur und Erneuerbare Energien notwendig sind, aber langfristig die Energiekosten durch die Erneuerbaren Energien sinken werden.
Diese Abbildung aus dem Ariadne Report von 2025 zeigt sehr anschaulich den vor uns liegenden Weg anhand der relativen Entwicklung der Energieträger: Während aktuell fossile Energieträger den größten Teil unseres Energiebedarfs decken, wird in einem klimaneutralen Deutschland Strom aus erneuerbaren Energieträgern (vor allem Windkraft und PV) der wichtigste Energielieferant. Grüner Wasserstoff und klimaneutrale, strombasierte Energieträger (sog. E-Fuels) ersetzen, je nach Szenario, ein mehr oder weniger großen Teil der fossilen Energieträger und der restliche Energiebedarf wird aus Biomasse (kaum Veränderung) und klimaneutraler Fernwärme (leichter Anstieg) gedeckt. Die drei hier vorgestellten Szenarien unterscheiden sich vor allem in dem Anteil an Strom und H2/E-Fuels im Jahr 2045, wobei die Szenarien „Fokus Strom“ und „Technologiemix“ sehr ähnlich sind und nur im Szenario „Fokus Wasserstoff“ der Anteil von H2/E-Fuels etwas größer ist. Aber die Studien sind sich einig, dass der effizienteste und kostengünstige Pfad auf erneuerbaren Strom als Hauptenergieträger setzt, während H2/E-Fuels nur dort eingesetzt werden sollten, wo Strom als Energieträger ineffizient oder nicht möglich ist (dazu mehr auch in diesem Blog-Artikel).
Die Studien betonen auch, dass der Umbau zu einer klimaneutralen Gesellschaft eine große Kraftanstrengung erfordert, aber gleichzeitig heben die Studien hervor, dass wir viele Vorteile dadurch haben werden, wie einen geringeren Gesamtenergieverbrauch, deutlich weniger Energieimporte, sauberere Luft und vieles mehr. Von daher, packen wir es gemeinsam an!
Schauen wir uns als Nächstes unser Energiesystem genauer an: Wir haben in Deutschland einen Sektor, der für die Energiebereitstellung zuständig ist, den Energiesektor, und 3 Sektoren, die Energieverbraucher sind, und zwar Industrie, Gebäude und Verkehr. Bevor wir genauer auf den Energiesektor schauen, möchte ich dir als Nächstes ein Gefühl dafür geben, wie viel Energie 3.226 TWh an Primärenergie sind und wofür wir sie grob verbrauchen.



