Im Gebäudesektor wurden im Jahr 2019 ca. 90% der Treibhausgasemissionen durch Raumwärme und Warmwasser verursacht und 10% durch Geräte und Prozesse im Gewerbe, wie z.B. durch Gas-Backöfen in Großbäckereien. Raumwärme verursacht den allergrößten Anteil der Emissionen im Gebäudesektor (ca. 75%). In Deutschland gibt es 21 Mio. beheizte Gebäude mit insgesamt 5,35 Mrd. m2, wovon 16 Mio. Ein- und Zweifamilienhäuser mit 2,5 Mrd. m2 sind, 3 Mio. Mehrfamilienhäuser mit 1,6 Mrd. m2 und 2 Mio. Nichtwohngebäude mit 1,35 Mrd. m2. Der größte Teil der Häuser wird aktuell mit fossilen Brennstoffen (v.a. Gas und Öl) oder fossiler Fernwärme beheizt (68%). Ein kleiner Anteil wird heute schon klimaneutral mit Biomasse, Solarthermie, Geothermie oder Wärmepumpen beheizt.
Aufgrund der diversen Gebäudestruktur und der langen Investitionszyklen im Gebäudesektor wird es herausfordernd, den Gebäudesektor bis 2045 klimaneutral zu bekommen. Aber die Studien sind sich einig, dass es möglich ist. Die wichtigsten Maßnahmen dafür sind:
- die energetische Sanierung von 1,1% p.a. auf 2% p.a. steigern und die Sanierungstiefe erhöhen => den jährlichen Energieverbrauch von durchschnittlich 130 kWh/m2 auf 70 kWh/m2 senken
- Das Ersetzen von Gas- und Ölheizungen durch Wärmepumpen ist die kostengünstigste Option
- In Ballungsgebieten klimaneutrale Fernwärme aus Großwärmepumpen, Biomasse, Müllverbrennung (inkl. CCS) und Geothermie
- Im unsanierten Restbestand wechsel zu grünen Brennstoffen (Biomasse, E-Fuels)
Die Kombination aus energetischer Sanierung und Wärmepumpen wird in allen Studien als die kostengünstigste und effizienteste Lösung für den Gebäudesektor angesehen, da Wärmepumpen aus 1 kWh Strom 3-4 kWh Wärme machen können. Daher wird Strom der mit Abstand wichtigste Energieträger im Gebäudesektor, ergänzt durch kleinere Anteile an Fernwärme und Biomasse (siehe Abbildung unten). Eine energetische Sanierung reduziert zusätzlich den Wärmebedarf und ermöglicht, dass Wärmepumpen im effizienten Niedrigtemperaturbereich arbeiten können.
Durch die langen Investitionszyklen ist der Gebäudesektor sehr träge und deshalb betonen alle Studien, dass es wichtig ist, möglichst früh fossile Heizungen im Neubau und bei Sanierungen zu verbieten, damit möglichst heute schon jede neu eingebaute Heizung klimaneutral betrieben werden kann. Daher ist das Gebäudemodernisierungsgesetz, dass aktuell von der Schwarz-Roten Bundesregierung unter Wirtschaftsministerin Katharina Reiche ausgearbeitet wird, ein Signal in die falsche Richtung und wird unsere fossile Abhängigkeit unnötig verlängern und die Einhaltung der Zwischenziele im Klimaschutz gefährden. Während in Norwegen heute bereits über 60% aller Haushalte mit einer Wärmepumpe heizen, sind es in Deutschland gerade einmal 5%. Aber in den letzten Jahren haben die Wärmepumpen bei den neuen Heizungen in Deutschland enorm aufgeholt. So sind bei Neubauten 70% der Heizungen eine Wärmepumpen und auch beim Heizungstausch werden mittlerweile in 50% der Fälle Wärmepumpen eingebaut.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Wärmepumpen die überwiegende Heizart in einem klimaneutralen Deutschland werden und energetische Sanierung die Wärmewende unterstützt. Wärmepumpen können gut mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden und sogar das Stromnetz stabilisieren, da man sie so steuern kann, dass sie die Wärme vor allem dann produzieren, wenn erneuerbarer Strom im Überfluss vorhanden ist.
Als Nächstes wollen wir uns den dritten Energieverbrauchssektor anschauen, den Industriesektor. Wie wird der Industriesektor klimaneutral?


